In den 1960er-Jahren entwickelte Gessner eine bisher wenig beachtete Werkgruppe. Er verband einfache geometrische Grundformen mit einer konsequenten Ordnung von Farbe. Innerhalb geschichteter und rotierender Anordnungen modulierte er Farbwerte in feinen Abstufungen und setzte Farbe gezielt ein, um Wahrnehmung, Rhythmus und Spannung zu steuern. Auf diese Weise entsteht ein visuelles Gleichgewicht von faszinierenden Strukturen, harmonischen Proportionen und subtilen Farbverläufen; ein Gleichgewicht, das gleichermassen rational begründet wie poetisch erfahrbar ist.
Ausgangspunkt des Vortrags ist die Auseinandersetzung der Referentin mit dieser Werkgruppe im Rahmen ihrer Lizenziatsarbeit im Jahr 2000. Zeitzeugen und Weggefährten des Künstlers bewerteten die geometrischen Arbeiten der 1960er-Jahre damals als die vermeintlich schwächste Phase seines Œuvres. Gerade diese Zurückhaltung in der Rezeption bestärkte die Überzeugung, dass nicht qualitative Defizite, sondern eine zeitlich verzögerte Wahrnehmung dazu beitrugen, dass diese Arbeiten über lange Zeit kaum rezipiert wurden.
Der Vortrag lädt dazu ein, diese Arbeiten gemeinsam zu betrachten, sie kunsthistorisch zu verorten und Licht auf eine Werkgruppe zu werfen, die lange im Schatten der Rezeption stand.
Zur Referentin:
Iren Sarwa hat Kunstgeschichte, Osteuropäische Geschichte und russische Literatur an der Universität Zürich studiert und arbeitete als Galeristin und Ausstellungsmacherin. Während ihrer mehrjährigen Tätigkeit in der Galerie Arteba, die den Nachlass von Robert S. Gessner betreute, entschied sie sich, die Auseinandersetzung mit ihm zu vertiefen und widmete ihre Lizenziatsarbeit einer Werkgruppe von ihm. Heute kuratiert sie mit ihrem Unternehmen IRINI Lebens- und Arbeitsräume, in denen kunsthistorische Perspektiven, kuratorische Praxis und fundiertes Feng Shui-Wissen zusammengeführt werden. Als Kunstführerin war sie u.a. im Museum Rosengart Luzern sowie an der Tate Modern und Tate Britain in London tätig.
Bildlegende: Robert S. Gessner, Kristall, 1966, Öl auf Leinwand, 50 x 50 cm
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