Martha wandert die Strassen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiss, wer sie wirklich ist: eine Millionärin – aber nicht nur das. Shelly Kupferberg erzählt im Gespräch mit Monika Schärer über «Stunden wie Tage», wie sie hinter Marthas Geheimnis kam.
Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleissig und äusserst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt – und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Martha, die zerlumpte Hausbesitzerin, ist Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.
Wie es Martha von der Hausbesorgerin zur Hausbesitzerin geschafft hat, erzählt Shelly Kupferberg in ihrem Roman, für den sie akribisch recherchiert hat. Sie selbst erinnert sich an Marthas Erscheinung: «Sie hiess Martha, hatte lange weisse verzottelte Haare bis zu den Kniekehlen und sah aus wie eine Stadtstreicherin. Dabei war sie angeblich Millionärin. Es hiess, sie sei Eigentümerin eines Wohnhauses, das sie sich während der Nazizeit ‹erschlafen› habe. Das machte mich neugierig. Wer war diese Frau wirklich, wollte ich wissen.»
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