Brahms’ spätes Klarinettenquintett trifft auf eine zeitgenössische Uraufführung: Ein Konzert über Abschied und Neubeginn – fein verwoben zwischen Spätromantik und Gegenwart.
Musik, die das Herz berührt.
Konzert «Klangbrücken – Echo und Aufbruch»
Klarinettenquintett h-Moll op. 115 – Johannes Brahms
Das Klarinettenquintett h-Moll op. 115 gehört zu den späten Meisterwerken von Johannes Brahms und zählt zu den zentralen Werken der romantischen Kammermusik. Entstanden 1891 in Bad Ischl, markiert es einen besonderen Moment in Brahms’ Schaffen: Der Komponist hatte sich bereits weitgehend vom Komponieren zurückgezogen, als ihn der Klarinettist Richard Mühlfeld zu einer letzten, intensiven schöpferischen Phase inspirierte. In dieser Zeit entstanden neben dem Quintett auch das Klarinetten-Trio op. 114 sowie die beiden Klarinetten-Sonaten op. 120.
Brahms behandelt die Klarinette nicht als virtuosen Solisten, sondern als gleichberechtigte Stimme innerhalb eines Streicher-Ensembles. Die enge klangliche Verschmelzung mit Viola und Violoncello, die warme Mittellage und die zurückhaltende Expressivität prägen den Charakter des Werks.
Die vier Sätze entfalten eine grosse innere Geschlossenheit:
Der Kopfsatz (Allegro) ist von dichter motivischer Arbeit und einem dunklen, herbstlichen Grundton geprägt. Das Adagio zählt zu den innigsten langsamen Sätzen Brahms’ – mit einer beinahe vokal gedachten Klarinetten-Linie von grosser Ruhe und Tiefe. Im dritten Satz wechseln tänzerische Leichtigkeit und subtile Ironie mit plötzlichen Stimmungsumbrüchen. Der abschliessende Variationssatz greift thematisch auf den Beginn zurück und verleiht dem Werk einen bewussten Abschiedscharakter.
Stilistisch steht das Quintett für Brahms’ späte Verdichtung: wenig äusserer Effekt, dafür hohe innere Spannung, subtile Rhythmik und eine Klangsprache, die oft als melancholisch, versöhnt und von stiller Wärme getragen beschrieben wird. In seiner Bedeutung wird es häufig mit Mozarts Klarinetten-Quintett KV 581 verglichen – jedoch mit deutlich dunklerem, introspektiverem Ausdruck.
Bis heute gilt das Werk als Höhepunkt der Klarinetten-Kammermusik und als Prüfstein anspruchsvoller Klangkultur: Entscheidend sind Balance, innere Ruhe und das gemeinsame „Atmen“ der Stimmen – Virtuosität tritt zugunsten von Tiefe, Transparenz und musikalischem Dialog zurück.
In der Gegenüberstellung mit der Uraufführung des Quintetts von Matthias Mueller da Minusio entsteht ein vielschichtiger Dialog zwischen Spätromantik und Gegenwart – ganz im Sinne des Konzerttitels:
«Klangbrücken – Echo & Aufbruch».
Uraufführung | Matthias Mueller da Minusio | «Passione per JB»
Quintetto per clarinetto e archi (2023)
Am Ende seines Lebens schuf Johannes Brahms mit dem Klarinettenquintett op. 115 ein Werk von vollendeter Reife. Für Komponierende bleibt es ein lebenslanger Ansporn, von den Meistern zu lernen und daran zu wachsen.
Das Quintett Passione per JB von Matthias Mueller da Minusio versteht sich nicht als Kopie, sondern als bewusste Annäherung an das allbekannte und geliebte Quintett von Brahms. Dieser komponierte sein Werk, nachdem er das Klarinettenquintett von W. A. Mozart gehört hatte – gespielt von Freunden wie Joseph Joachim (Violine) und Richard Mühlfeld (Klarinette). Dieses Hörerlebnis wurde zum Ausgangspunkt für seine späten Klarinettenwerke.
Mueller da Minusio greift diesen historischen Impuls auf und übersetzt ihn in eine zeitgenössische Klangsprache. Passione per JB ist Erinnerung, Reverenz und Weiterdenken zugleich – ein musikalisches Echo, das aus der Vergangenheit kommt und sich in der Gegenwart neu formt.
Das Ensemble: Annika Starc – I. Geige | Caterina Bartoletti – II. Geige | Ione Diamantini – Viola | Matthias Mueller da Minusio – Klarinette | Orfeo Mandozzi – Cello
Musik, die verbindet – ein Ort der Stille, der inspiriert.
Veranstalter: Associazione MUSICA al CUORE | www.musica-al-cuore.comIn Zusammenarbeit mit den Kapuzinerbrüdern der Madonna del Sasso und der Gemeinde Orselina.
Informationen zur Veranstaltung
Alle aktuellen sowie zusätzliche Informationen zur Veranstaltung findest du auf der Webseite des Veranstalters. Plötzliche Änderungen werden ausschliesslich auf der Webseite des Veranstalters angezeigt.
